Wenn heute über Sauna und Gesundheit gesprochen wird, landet das Gespräch fast immer bei derselben Untersuchung. Sie heißt KIHD, steht für Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study, und läuft seit den achtziger Jahren in Ostfinnland.
Ursprünglich ging es dabei gar nicht um die Sauna. Es ging um Risikofaktoren für Herzerkrankungen. Die Sauna war eine von vielen Fragen im Erhebungsbogen, aus dem einfachen Grund, dass in Finnland fast jeder sauniert. Dass daraus zwanzig Jahre später die meistzitierte Saunaforschung der Welt werden würde, war nicht der Plan.
Genau das macht sie so interessant. Hier hat niemand losgezogen, um die Sauna gut aussehen zu lassen.
Was untersucht wurde
Begleitet wurden zunächst rund 2.300 Männer aus der Region Kuopio, bei Studienbeginn zwischen 42 und 60 Jahre alt. Erfasst wurden Blutdruck, Cholesterin, Rauchverhalten, Bewegung, sozialer Status und eben die Frage, wie oft und wie lange jemand in die Sauna geht.
Dann wurde über zwei Jahrzehnte beobachtet, was passiert.
Wichtig für das Verständnis: Es geht um die klassische finnische Sauna. In Kopfhöhe 80 bis 100 Grad, relative Luftfeuchtigkeit zwischen 10 und 20 Prozent. Und um eine Häufigkeit, die in Deutschland ungewöhnlich ist. Wer in Finnland einmal pro Woche geht, gilt dort als seltener Saunagänger.
Die Zahlen
Die 2015 in JAMA Internal Medicine veröffentlichte Auswertung teilte die Teilnehmer nach Häufigkeit in drei Gruppen. Beim plötzlichen Herztod ergab sich über den Beobachtungszeitraum folgendes Bild:
| Saunagänge pro Woche | Teilnehmer | Anteil plötzlicher Herztod |
|---|---|---|
| 1× | 601 | 10,1 % |
| 2–3× | 1.513 | 7,8 % |
| 4–7× | 201 | 5,0 % |
Ähnliche Abstufungen zeigten sich bei der Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei der Gesamtsterblichkeit. Auch die Dauer spielte eine Rolle: Wer länger als etwa zwanzig Minuten blieb, lag günstiger als wer nach zehn Minuten wieder ging.
Eine weitere Auswertung von 2018 in BMC Medicine bezog erstmals auch Frauen ein, insgesamt über 1.600 Personen. Auch hier zeigte sich der Zusammenhang deutlich, und zwar in beiden Geschlechtern.
Und es blieb nicht beim Herzen. Aus demselben Datensatz und aus verwandten Arbeiten gingen in den Folgejahren weitere Beobachtungen hervor, unter anderem zu Blutdruck, zu neurokognitiven Erkrankungen und zu Erkrankungen der Atemwege. Auch dort zeigten sich Zusammenhänge in dieselbe Richtung.
Drei Dinge, die den Befund stark machen
In der Epidemiologie gibt es Kriterien dafür, wann ein beobachteter Zusammenhang wahrscheinlich mehr ist als ein statistischer Zufall. Drei davon sind hier erfüllt, und das ist der eigentlich bemerkenswerte Teil.
Es gibt eine saubere Dosis-Wirkungs-Beziehung. Nicht „Saunagänger sind gesünder“, sondern: je häufiger, desto günstiger, und das über alle drei Gruppen hinweg. Solche Abstufungen entstehen selten durch Zufall.
Der Befund ist über die Zeit stabil geblieben. Zwischen der ersten Auswertung und den späteren liegen Jahre und unterschiedliche Fragestellungen. Der Zusammenhang hat gehalten.
Und es gibt eine plausible Erklärung dafür. Die Forscher um Jari Laukkanen und den Innsbrucker Epidemiologen Peter Willeit halten eine regulierende Wirkung auf Blutdruck und Herzfrequenzvariabilität für den wahrscheinlichsten Mechanismus. Das ist kein Zufallsbefund, sondern etwas, das sich physiologisch nachvollziehen lässt: In der Hitze steigt die Herzfrequenz, die Gefäße weiten sich, der Kreislauf arbeitet. Aus Sicht des Körpers ähnelt das in Teilen einer moderaten Belastung, nur ohne die muskuläre Anstrengung.
Ein Befund mit Dosis-Wirkungs-Beziehung, zeitlicher Stabilität und plausiblem Mechanismus ist deutlich mehr als eine hübsche Korrelation.
Und drei Dinge, die man mitdenken sollte
Trotzdem ist Vorsicht angebracht, und zwar aus Gründen, die die Forscher selbst benennen.
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Niemand wurde einer Gruppe zugelost, die Teilnehmer haben selbst entschieden, wie oft sie saunieren. Damit bleibt es ein Zusammenhang, kein Beweis für Ursache und Wirkung.
Die auffälligste Gruppe ist außerdem die kleinste: nur 201 der rund 2.300 Männer gingen vier- bis siebenmal pro Woche. Je kleiner eine Gruppe, desto größer die statistische Unsicherheit.
Und wer viermal die Woche in die Sauna geht, unterscheidet sich auch sonst. Er hat Zeit, ein soziales Umfeld, einen bestimmten Lebensrhythmus. Für vieles davon wurde rechnerisch korrigiert, aber nicht alles lässt sich messen.
Das entwertet die Ergebnisse nicht. Es heißt nur: Wer aus diesen Zahlen ein Heilsversprechen macht, hat sie nicht gelesen.
Was am Ende übrig bleibt
Der interessanteste Befund der ganzen Reihe ist zugleich der unspektakulärste.
Nicht die Intensität war der entscheidende Faktor, sondern die Häufigkeit. Nicht der eine besonders heiße Abend, sondern der Rhythmus über Jahre. Vier von sieben Abenden schlagen einen ambitionierten Samstag.
Das deckt sich mit fast allem, was in der Präventionsforschung herauskommt: Bewegung, Schlaf, soziale Bindung, Regelmäßigkeit. Nichts davon ist neu, nichts davon ist teuer, und nichts davon funktioniert, wenn es Überwindung kostet.
Und genau hier liegt der praktische Kern. Regelmäßigkeit hängt weniger am Willen als an der Gelegenheit. Was zwanzig Minuten Anfahrt und einen Eintrittspreis kostet, macht man zweimal im Monat. Was hinter einer Tür im eigenen Haus liegt, macht man am Dienstagabend, weil es Dienstagabend ist.
Die finnischen Zahlen beschreiben eine Kultur, in der die Sauna kein Ausflug ist, sondern Teil der Woche. Das ist vermutlich die wichtigste Erkenntnis daraus. Nicht: Sauna wirkt Wunder. Sondern: Sie muss selbstverständlich sein, damit sie überhaupt eine Chance hat.
Dieser Beitrag gibt den Stand der zitierten Veröffentlichungen wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer Vorerkrankungen hat, insbesondere am Herz-Kreislauf-System, bespricht die Saunanutzung vorher mit seiner Ärztin oder seinem Arzt.
Quellen: Laukkanen T. et al., JAMA Internal Medicine 2015. Laukkanen T. et al., BMC Medicine 2018;16:219. Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor Study, University of Eastern Finland.