Der Aufguss: Was wirklich passiert und welcher Duft wozu passt

Ein bisschen Wasser auf heiße Steine, und der Raum ist ein anderer. Warum das so ist, wie viel Wasser richtig ist, was die einzelnen Düfte ausmachen und welchen Fehler man in der eigenen Sauna nur einmal macht.

Der Aufguss ist der Moment, an dem sich entscheidet, ob jemand Sauna mag oder nicht. Bis dahin sitzt man in einem warmen Holzraum. Danach ist es etwas anderes.

Was dabei physikalisch passiert, ist erstaunlich unspektakulär. Und genau deshalb lohnt es sich, es zu verstehen.

Warum es plötzlich heißer wird, obwohl es nicht heißer wird

Die klassische finnische Sauna ist trocken. Bei 80 bis 100 Grad liegt die relative Luftfeuchtigkeit bei etwa 10 bis 20 Prozent. In dieser trockenen Luft kann der Körper gut schwitzen, und der Schweiß verdunstet, was kühlt.

Kommt Wasser auf die Steine, verdampft es schlagartig. Die Luftfeuchtigkeit springt für kurze Zeit nach oben. Der Schweiß auf der Haut kann nicht mehr so leicht verdunsten, und die Kühlung fällt weg.

Die Temperatur im Raum steigt dabei kaum. Was steigt, ist die gefühlte Hitze. Deshalb wirkt ein Aufguss so viel intensiver, als die Anzeige am Thermometer vermuten lässt.

Der zweite Teil ist das Wedeln. Wer die feuchte Luft mit einem Handtuch verteilt, löst die dünne Luftschicht auf, die sich um den Körper legt. Dann trifft die heiße Luft direkt auf die Haut. Das ist der Unterschied zwischen einem Aufguss und einem Aufguss mit Handtuch.

Wie viel Wasser richtig ist

Weniger, als die meisten denken.

Für eine Heimsauna genügt eine Kelle. Langsam über die Steine gegossen, nicht geschüttet. Wer zu viel nimmt, bekommt keinen besseren Aufguss, sondern drei Probleme auf einmal: Die Steine kühlen aus, das Wasser läuft in den Ofen statt zu verdampfen, und die plötzliche Dampfmenge kann auf der Haut unangenehm bis schmerzhaft werden.

Zwei bis drei Aufgüsse in einem Saunagang sind üblich, mit Abstand dazwischen. Die Steine brauchen Zeit, um wieder auf Temperatur zu kommen.

Der eine Fehler, den man nur einmal macht

Duftöl kommt niemals unverdünnt auf die Steine.

Ätherische Öle sind brennbar. Auf einem Stein mit weit über 200 Grad kann pures Öl aufflammen. Es riecht außerdem verbrannt statt gut, und der Ofen dankt es einem auch nicht.

Richtig ist: einige Tropfen in die Kelle Wasser, umrühren, dann aufgießen. Und nur Öle verwenden, die ausdrücklich für die Sauna gedacht sind. Duftöle für Lampen oder Diffuser sind anders zusammengesetzt und gehören nicht auf einen Saunaofen.

Die Düfte und was sie ausmachen

Ein Hinweis vorweg, der uns wichtig ist: Wir schreiben hier nicht darüber, was ein Duft im Körper bewirkt. Zu den meisten dieser Aussagen gibt es keine belastbare Grundlage, und viele davon sind schlicht abgeschrieben. Was wir beschreiben können, ist der Charakter: wie es riecht, wie es sich anfühlt, wozu es passt.

Eukalyptus und Minze. Der Klassiker und der intensivste Vertreter. Scharf, klar, kühl in der Nase, während es auf der Haut heiß bleibt. Dieser Widerspruch ist der ganze Reiz. Für viele der Einstiegsduft, für andere zu dominant.

Zitrusnoten. Orange, Zitrone, Grapefruit, Bergamotte. Leicht, spritzig, unkompliziert. Der Duft, mit dem man wenig falsch macht und den auch Gäste mögen, die sonst nichts mit Duft anfangen können. Passt gut zum ersten Gang und zum Vormittag.

Nadelhölzer. Fichte, Kiefer, Latsche, Zirbe. Waldig, harzig, erdig. Der ehrlichste Duft in einer Holzkabine, weil er nicht mit dem Material konkurriert, sondern es verlängert. Zirbe ist in den Alpen der Favorit und deutlich milder als Fichte.

Kräuter. Lavendel, Salbei, Rosmarin, Heu. Weich und etwas altmodisch im besten Sinn. Lavendel ist der ruhigste Duft überhaupt und passt zum letzten Gang am Abend. Rosmarin und Salbei sind würziger und wacher.

Birke. In Finnland weniger ein Duft als eine Tradition, dort meist über den Birkenwedel statt über das Wasser. Frisch, grün, leicht bitter. Wer den finnischen Charakter sucht, kommt hier hin.

Süße Noten. Honig, Vanille, Milch, Sandelholz. Warm, weich, fast dessertartig. Die einen lieben es, die anderen finden es zu viel. In der eigenen Sauna darf man das ausprobieren, in der öffentlichen wird es selten angeboten.

Was zusammenpasst

Eine einfache Reihenfolge über einen Saunaabend hinweg: erst frisch, dann würzig, zum Schluss weich. Also Zitrus, dann Nadelholz oder Kräuter, am Ende Lavendel oder gar nichts.

Der letzte Gang ohne Duft ist unterschätzt. Nach zwei Aufgüssen riecht man ohnehin nur noch die Hälfte, und heißes Holz mit Wasser hat einen eigenen Geruch, der lange in der Kabine bleibt.

Zum Schluss

Der Aufguss ist der Teil der Sauna, bei dem man am meisten falsch machen kann und am wenigsten Ausrüstung braucht. Eine Kelle, ein Handtuch, ein bisschen Zurückhaltung beim Wasser.

Alles Weitere ist Geschmack. Und Geschmack ist der einzige Bereich, in dem wir Ihnen wirklich nichts vorschreiben können.


Hinweis: Aufgüsse erhöhen die Kreislaufbelastung spürbar. Wer Vorerkrankungen hat, insbesondere am Herz-Kreislauf-System, bespricht die Saunanutzung vorher mit seiner Ärztin oder seinem Arzt. Verwenden Sie ausschließlich Duftkonzentrate, die für die Verwendung in der Sauna vorgesehen sind, und beachten Sie die Angaben des Herstellers Ihres Saunaofens.

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